Das Kuvert lag schon seit Tagen griffbereit in Angies Rucksack.

Darauf stand: „Kuna 522,43“.

Angie hatte das Kuvert von ihrem Vater bekommen. Darin lagen die letzten kroatischen Scheine und ein paar Münzen. Umgerechnet ungefähr siebzig Euro. Vor der Reise hatte sie recherchiert, dass man die alte Währung noch immer bei der Kroatischen Nationalbank in Zagreb in Euro tauschen kann. Aber auch nur dort.

Die Frage war: Lohnt sich dafür überhaupt ein Umweg?

Während wir von Ljubljana Richtung Kroatien fuhren, diskutierten wir weiter darüber. Wir fragten sogar ChatGPT. Rein wirtschaftlich wahrscheinlich nicht. Siebzig Euro rechtfertigen keinen halben Reisetag.

Am Ende entschieden wir aus dem Bauch heraus: Wir fahren nach Zagreb.

Mission Zentralbank

Unser Auto parkten wir in einem Parkhaus in der Oberstadt. Für uns mit den Fahrrädern auf dem Heckträger genau richtig: großzügig, unkompliziert und nah genug am Zentrum.

Erst einmal gab es eine Käsesemmel.

Dann Google Maps.

Die Strecke führte durch die belebten Gassen der Innenstadt, über den Ban-Jelačić-Platz, vorbei am Dolac-Markt zur Kroatischen Nationalbank.

Vor uns stand ein imposantes Gebäude. Genau so hatten wir uns eine Zentralbank vorgestellt.

Nur getauscht wurde dort gar nichts.

Vor dem Eingang erklärten große Hinweisschilder freundlich, dass der Umtausch inzwischen an einer anderen Adresse stattfindet. Also wieder ein Stück zurück. Dort wartete keine monumentale Staatsarchitektur mehr, sondern eine eher unscheinbare Hofeinfahrt.

An der Rezeption meldeten wir uns an. Ein freundlicher Wachmann wies uns den Weg. Hinter einer Glasfront befand sich ein kleines Schalterbüro. Auch Goldmünzen wurden da verkauft.

Dann war Angie an der Reihe.

Ein paar Minuten später war der Tausch vollzogen: Die 520 Kuna in Scheinen wurden zu 69 Euro und 2 Cent. Die 2 Kuna und 43 Lipa in Münzen konnten nicht mehr umgetauscht werden.

Der Betrag wurde sauber quittiert. Die Euro-Scheine, die Angie zurückbekam, waren nagelneu. Die Münzen glänzten. Natürlich. Wenn Geld direkt aus der Zentralbank kommt, sieht es eben auch so aus.

Mehr als ein Umtausch

Die Kuna-Münzen wurden nicht getauscht. Sie hatten endgültig ihren Wert verloren und landeten im Mülleimer. Es fühlte sich merkwürdig an, Geld wegzuwerfen.

Vielleicht steckt genau darin etwas Interessantes.

Dass man alte Scheine noch Jahre nach der Einführung des Euro umtauschen kann, ist mehr als ein Service. Es ist ein stilles Versprechen: Dieses Geld war einmal gültig. Deshalb bleibt sein Wert erhalten.

Ein Zagreb-Tag

Nach der kleinen Mission war unser Tag noch nicht vorbei.

Wir tranken Kaffee und aßen Štrukli aus der Bäckerei. Dann gingen wir an der nur 66 Meter langen Standseilbahn hinauf in die Oberstadt und erreichten gerade noch den Kanonenschuss vom Lotrščak-Turm.

Wir merkten, dass Zagreb anders ist als die Orte, die wir auf dieser Reise sonst besucht hatten. Weniger Postkartenmotiv. Mehr Hauptstadt.

Natürlich hätten wir die siebzig Euro verfallen lassen können. Dann wären wir aber nie nach Zagreb gefahren.

Die alte Währung hatte uns nicht nur ihren Geldwert zurückgebracht, sondern auch einen Reisetag – und die Erinnerung an eine kleine, sehr persönliche Mission.